Derbysieg für die 3. Frauen vom SV Warnemünde

SV Warnemünde III – SG Motor Neptun Rostock 29:28 (15:15)

07. März 2026 – Sporthalle Gerüstbauerring

 

Wie viele Herzattacken passen in 60 Minuten? Heimspiele haben ihre eigene Magie – aber manche besitzen zusätzlich eine Dramatik, die man normalerweise nur aus Hollywood kennt. Dieses Duell gegen Motor Neptun gehörte genau in diese Kategorie: ein Handballkrimi, der uns alle zwischenzeitlich Jahre älter machte, nur um uns am Ende wieder 20 Jahre jünger zurückzulassen 😅.

 

Die ersten Minuten allerdings fühlten sich weniger nach Magie an und mehr nach Chaos pur. Motor Neptun schenkte uns innerhalb kürzester Zeit vier Treffer ein, und beim 2:6 nach kaum fünf Minuten sahen wir ordentlich alt aus. Unsere Abwehr fand überhaupt keinen Zugriff, die Zuordnung passte nicht, und vorne fehlte das letzte Quäntchen Entschlossen- und Treffsicherheit. Aber wir wären nicht Warnemünde III, wenn wir uns davon beeindrucken lassen würden. Manche Mannschaften brauchen zwei Minuten, um im Spiel anzukommen – wir brauchen manchmal sechs oder mehr. So ist das eben. Und dann geschah, was geschehen musste: Franzi übernahm. Mit einer Präsenz, die nicht nur die gegnerische Deckung, sondern auch die gesamte Halle zu spüren bekam. Sie traf, zog zwei, drei Spielerinnen auf sich, öffnete Räume für alle anderen und brachte unser Angriffsspiel zum Leben. Nun fühlte sich jeder Treffer wie ein kleiner Befreiungsschlag an, jeder konsequent gespielte Angriff wie ein Aufbruchssignal. Leider mussten wir zwischendurch gleich mehrfach in Unterzahl agieren – und zwar nicht zu knapp. Antje, heute sehr präsent, aber auch übermäßig konsequent bewertet von den Schiedsrichtern, kassierte in der 13., 22. und 56. Minute drei Zeitstrafen und sah nach der letzten logischerweise Rot. Sabine durfte ebenfalls für zwei Minuten pausieren. Normalerweise der Stoff, aus dem Horrorphasen entstehen – aber wir spielten weiter mutig, ja und trafen auch in Unterzahl. Vielleicht auch deshalb, weil Motor dann auf Offensivdeckung umstellte, was uns im Gegenzug in die Karten spielte, denn dadurch hatten wir Platz und Räume. Wir hielten uns damit nicht nur im Spiel, sondern setzten Motor Neptun zusätzlich unter Druck. Beim Stand von 15:15 zur Halbzeit hatten wir das Momentum endgültig gedreht, na zumindest erstmal die Zeiger auf Anfang gestellt. Die Atmosphäre in der Halle fast schon explosiv, die Bank war laut, und wir wussten: Heute geht hier noch was!

Die zweite Halbzeit schloss sich in Sachen druckgeladenem Chaos nahtlos an die erste an. Ein Treffer hier, ein Treffer dort, die Führung wechselte hin und her wie ein schlechtes Ping-Pong-Spiel. Doch wir hielten dagegen – und wie! 32. Minute 7-Meter-Parade von Vanessa! Jetzt fand eigentlich jede Spielerin ihren Moment. Motor führte ab der 48. Minute sowie in der 52. Minute mit 3 Toren. Konnten wir das noch aufholen? JA! Wir können das! Mit Beweis, siehe Aufholjagd gegen Barth am 24. 01.26 in den letzten 5 Minuten. Wie war das mit dem Déjà-vu? Ach, und das habe ich ja fast vergessen: Motor Neptun ging doch mit 1:0 in Führung… Also lieber Handballgott ich will ja nicht abergläubisch sein, aber wie siehts denn aus? Und dann folgten die letzten fünf Minuten. Die Art von Minuten, bei denen man am Seitenrand automatisch beginnt, auf und abzugehen, ohne es zu merken (komisch 😇) oder einen Herzkasper bekommt.

56:16 – die rote Karte für Antje.

57:39 – Franzi tritt zum Siebenmeter an. Atemnot! Sie wirft. Sie trifft💪! 28:27!

57:53 – Motor gleicht wieder aus 😭. 28:28. Fluchen, Nervenzucken und Schnappatmen😱.

59:19 – Emma erkämpft sich den Ball, wie auch immer sie es geschafft hat💪. 29:28! 

Ein Wurf, der nicht nur in der Halle einschlägt, sondern gefühlt das komplette Hallendach in Schwingung versetzt. Die Bank rastet aus, die Fans stehen, und man spürt: Das könnte der Moment sein! Handball wäre aber nicht Handball, wenn nicht ein letztes dramatisches Element bereitstünde: Ein Siebenmeter für Motor Neptun – mit der Schlusssirene! Und dann kommt der Moment, der dieses Spiel unsterblich macht. Vanessa! Unsere Vanessa! 19 Jahre jung. Herz aus Stahl. Ruhe aus Granit. Mut wie eine Löwin!

Der Wurf kommt hart, schnell und präzise. Ein Ball, den man eigentlich nicht hält. Aber Vanessa nervenstark, die Gegnerin fest im Blick, hebt das Bein, trifft den Ball – und schießt ihn ins aus, als wolle sie damit das Schicksal festnageln. Die Bank explodiert und stürmt aufs Feld, besser gesagt zum Tor! Alle stürzen sich auf Vanessa umringen und umarmen sie. Ein Freudentaumel und Freudentanz! Sie ist die Heldin des Tages, die Retterin eines hart erkämpften Sieges. Der 29:28-Erfolg ist nicht nur ein Ergebnis. Er ist eine Warnemünder Heldinnengeschichte.

Ein Spiel, das alles bot: Drama, Unterzahl, rote Karte, Nervenflattern und am Ende eine Parade, die die alle explodieren ließ. Wir zeigten Herz, das größer war als jede Herausforderung, Mut und eine Moral, die man nicht trainieren kann. Ein Sieg, der uns noch lange begleiten wird, den man nicht vergisst.

 

Spielerinnen: Sabine (1), Judith (2), Michelle (4), Franzi (13), Antje (3), Nika (1), Laura (2), Julia D., Emma (3), Nicole

Tor: Heldin des Tages: Vanessa – gehaltener letzter Siebenmeter – Sieg gerettet

Betreuung: Tanita, Solli