Bronzemoment mit Nervenstärke in der Endphase

11. April 2026, 19:00 Uhr Stadthalle Bad Doberan Doberaner SV 90 – SV Warnemünde III 20:19 (13:10)

Bronzemoment mit Nervenstärke in der Endphase

11. April 2026, 19:00 Uhr Stadthalle Bad Doberan

Doberaner SV 90 – SV Warnemünde III 20:19 (13:10) 

 

Heute ein Vorwort: Warum sind Rituale so wichtig?

Sie geben uns in bestimmten stressigen oder unsicheren Situationen Struktur und Kontrolle. Wie zum Beispiel in Wettkämpfen. Es gibt mentale, körperliche und emotionale Rituale. Und es gibt den Aberglauben – kennt ihr. 

Mentale Rituale z. B. sind visuelle innere Vorstellungen vom Ablauf des Wettkampfs, Atemübungen zur Beruhigung, - aber auch positive Selbstgespräche zu führen, so wie: „Ja, wir schaffen das!“

Körperliche Rituale beginnen beispielsweise mit einer festen Aufwärmroutine oder speziellen Dehnübungen.

Emotionale Rituale sind z. B. die „Glücksbringer-Sieger-Socken“ anzuziehen, in der Kabine immer den gleichen festen Platz einzunehmen oder als letzter aus der Kabine zu gehen. Das Teamritual besteht z. B. aus einem Leitspruch, z. B.: „SVW! EIN TEAM!“ – um uns auf das bevorstehende Spiel einzuschwören und Mut zu machen. Auf das, was eben ein TEAM-Sport ausmacht: Der gemeinsame Wille zum Sieg!

 

Manchmal passt einfach alles zusammen. Vorbereitung, Fokus, ein bisschen Aberglaube – und am Ende sogar das Ergebnis. Samstagabend, letzte Saisonaufgabe, Auswärtsspiel in Bad Doberan. Die Mission war klar: Bronze sichern. Und wer uns kennt, weiß: Für solche Spiele haben wir eben genau diese Rituale. Und offenbar auch ein funktionierendes HandballOmen. Zusätzlich hatten wir sogar einen wirklich großen Fanclub dabei 💪(vielen Dank an alle❤️). Der Start verlief zunächst unspektakulär, eher abtastend. Bad Doberan eröffnete das Spiel zum 1:0, aber wir ließen uns davon nicht aus dem Konzept bringen. Wussten wir doch, was es bedeutet… Früh wurde deutlich: Das wird keine schöne, aber eine umkämpfte Angelegenheit. Die Doberanerinnen zeigten sich wie immer sehr bissig in der Defensive und unterbanden unsere Spielzüge. Tore fielen auf beiden Seiten, kein Team konnte sich entscheidend absetzen. Doch mit zunehmender Spielzeit gewannen wir mehr Zugriff – besonders im Angriff übernahmen wir Verantwortung. Vor allem Franzi zeigte sich einmal mehr treffsicher, sowohl aus dem Spiel heraus von allen Positionen als auch von der Siebenmeterlinie, wie beim 4:6 in der 13. Minute.

Wir führten mit 2 Toren, aber es passierte rund 4 Minuten gar nichts, so dass die Doberaner in der 18. Minute ihre Auszeit nahmen. Das schien zumindest auf der Doberaner Seite gefruchtet zu haben, denn die Gegnerinnen holten Tor um Tor auf, während wir nur einmal das Tornetz zappeln ließen. 7:7 in Minute 21:04. Das kann so nicht weiter gehen! Notbremse – Solli zog die Grüne Karte! „Und jetzt beruhigen wir uns erstmal!“, lautete der erste Satz, bevor es knappe Anweisungen für die weitere Spieltaktik gab. Mit Ruhe, klaren Aktionen und einer ordentlichen Portion Konzentration fanden unsere Frauen schnell ins Spiel. Vor allem Michelle und Franzi zeigten sich jetzt treffsicher und führte den SVW Schritt für Schritt zu einer 13:10 Halbzeitführung. Keine Vorentscheidung, aber eine solide Ausgangslage.

In der Kabine: Ritual Nummer eins – Ruhe bewahren, auf das eigene Spiel besinnen, denn wir wussten alle: Doberan wird zurückkommen. Und genau so kam es. Die zweite Halbzeit entwickelte sich zu einem echten Krimi. Doberan blieb hartnäckig, verkürzte immer wieder, ließ uns nicht davonziehen. Jede Aktion wurde wichtiger, jeder Fehlwurf schwerer. Aber: Wir blieben dran. Kein hektisches Spiel, kein Kommentieren von Fehlern – stattdessen Abklatschen, kurzes Einfangen, weiter. Ritual Nummer zwei. Besonders in dieser Phase zeigte sich, wie wichtig Teamdisziplin ist. Gute Abwehraktionen, wichtige Tore im richtigen Moment und auch in hitzigen Situationen ein kühler Kopf. Als Franzi in der 47. Minute einen Siebenmeter liegen ließ – kein Drama. Reset. Der nächste passte dann wieder! Genau diese Momente machten am Ende den Unterschied, ob Ritual oder Aberglaube, - eine top aufgelegte Jacky im Tor oder eben einfach Können! 😉 

In den letzten Minuten wurde die Luft zunehmend dünner. Beim 18:19 war jedem in der Halle und jedem angereisten Fan klar: Jetzt entscheidet sich hier alles. Doch wir hatten noch eine Antwort parat. Antje erhöhte auf 18:20. Wie wichtig war dieses Tor? Sehr! Denn sofort im Gegenzug verkürzte Doberan auf 19:20. Unsere Abwehr kämpfte verbissen und ließ nichts mehr zu. Dann großer Schreck: unsere Debütantin Doreen musste in Minute 58:43 das Feld verlassen. Oh, mein Gott, jetzt müssen wir auch noch in Unterzahl zu Ende spielen? 😱 Das kann doch nicht wahr sein! Und dann begann diese letzte Minute, endlos, dauerte Äonen von Sekunden. Wir brauchen jetzt keine Schönheitspreise mehr – wir brauchen Kontrolle. Noch einmal Angriff SVW. Immer noch 38 Sekunden auf der Uhr. Und jede einzelne davon tat weh (ich sah übrigens nicht mehr hin…🫣).

Der Blickkontakt unter den Spielerinnen war jedoch klar und der Plan war einfach, aber nervenaufreibend: Ball halten, Zeit von der Uhr nehmen, foulen lassen. Gesagt, getan. Wir stellten uns immer wieder clever zum Freiwurf, machten uns breit, ließen uns festmachen, ließen uns fallen – und standen wieder auf. Jede Unterbrechung war ein kleiner Stich ins Nervenkostüm der Gastgeberinnen. Die Halle wurde lauter, die Sekunden weniger, die Beine schwerer.

Kein überhasteter Abschluss. Kein Risiko. Stattdessen maximale Disziplin. Der Ball wanderte sicher durch unsere Reihen, Doberan musste hinterherlaufen, greifen, klammern – und wir nahmen jede Sekunde dankend mit. Noch zehn Sekunden. Noch fünf. Ein letzter Freiwurf, der Ball festgemacht, alle Augen auf die Uhr.

Dann endlich: Schlusspfiff. JAAAAAAA…!!! Erleichterung. Jubel. Bronze.

Klar, so gewinnt man keine Schönheitswettbewerbe – aber genau so gewinnt man ein Medaillenspiel.

Fazit: 

Ein Spiel, das alles hatte: Spannung, Kampf, Nervenstärke – und am Ende die Belohnung für eine starke Saison.
Die Bronzemedaille für den SV Warnemünde III ist absolut verdient. Dank Teamgeist, klarer Rituale und vielleicht auch eines kleinen HandballOmens.

 

Und noch das Nachwort: 

Und weil dieser Abend ohnehin schon besonders war, gab es noch einen weiteren Grund zum Jubeln:
Mit ihren Treffern in diesem Spiel knackte Franziska Dräger im laufenden Spielbetrieb die 100ToreMarke – und sicherte sich damit verdient den Titel der Torschützenkönigin der Bezirksliga Nord. 💪🤾‍♀️

Konstant, nervenstark, führend – egal ob aus dem Spiel heraus oder von der Siebenmeterlinie. Gerade in engen Partien (so wie an diesem Abend) übernimmt Franzi Verantwortung und geht voran. Dass diese starke Saison nun mit Bronze für das Team und Gold für die Torjägerin gekrönt wird, passt einfach perfekt.

Herzlichen Glückwunsch, Franzi – und danke für 100 (und mehr) gute Gründe zum Jubeln! 👏🥉💙

…wir wissen: das geht natürlich nicht ohne deine Mannschaft! 😇💪🥳😅

 

Aufstellung: Sabine (1), Judith (1), Michelle (3), Franzi (12), Antje (2), Nika, Julia D., Julia K., Wiebke (1), Emma, Nicole, Svenja, Doreen - Tor: Vanessa, Jacky

Betreuung: Solli, Sandra